Nachdem ich in den letzten Tagen ausführlich über Erziehung, Grenzen und Freiraum geschrieben habe, möchte ich heute etwas Wundervolles mit euch teilen.
Denn unsere Kinder übernehmen nicht nur die schwierigen Muster, die wir ihnen unbewusst vorleben. Sie übernehmen auch unsere Liebe, Mitfreude, Empathie und Werte. Und manchmal bekommen wir genau das auf eine wunderschöne Art und Weise zurück gespiegelt. Unsere 13-Jährige verblüfft mich immer wieder. Zum einen bin ich regelmäßig erstaunt darüber, wie schnell sie erwachsen wird – wobei allein das schon einen eigenen Beitrag verdient hätte. Zum anderen berührt mich, wie sehr sie sich um ihre Familie und ihre Freunde kümmert.
Wie ich gerade jetzt darauf komme? Das möchte ich gerne mit euch teilen.
Wenn Teenager anfangen, anders über Geschenke nachzudenken
Der September ist bei uns ein sehr geburtstagsreicher Monat. Mein Mann hat Geburtstag, unsere Tochter ebenfalls und auch einige ihrer Freunde feiern in diesem Monat ihren Geburtstag. Dabei ist mir aufgefallen, dass Jugendliche sich irgendwann ganz anders mit Geschenken beschäftigen als kleinere Kinder. Kleine Kinder malen Bilder, basteln etwas oder versuchen sich an kleinen Überraschungen. Mit zunehmendem Alter verändern sich die Möglichkeiten. Teenager haben vielleicht bereits Taschengeld zur Verfügung und können selbst etwas kaufen. Aber auch die Gedanken dahinter verändern sich:
Was mag dieser Mensch eigentlich besonders gerne?
Was verbindet uns?
Womit könnte ich ihm wirklich eine Freude machen?
Unsere Tochter fing bereits im August an zu überlegen, wer wann Geburtstag hat, zu welchen Geburtstagen sie eingeladen ist und wie viel Taschengeld ihr dafür zur Verfügung steht. Sie plante, wem sie was schenken möchte und wie sie ihr Geld entsprechend einteilen muss. Und dabei wurde mir erneut bewusst:
Es ging ihr gar nicht darum, irgendetwas zu kaufen.
Sie wollte den Menschen, die ihr wichtig sind, wirklich eine Freude machen.
Ein Geschenk für Papa, das man nicht kaufen kann
Bei ihrem Papa fiel es ihr zunächst schwer. Sie überlegte lange, was sie ihm schenken könnte, und bat mich schließlich um Hilfe. Natürlich half ich ihr und wir konnten gemeinsam ein Geschenk organisieren. Damit war die Sache für sie allerdings noch lange nicht erledigt. Sie überlegte weiter:
- Wie könnte sie den Tag für ihren Papa besonders machen?
- Was könnte sie zusätzlich vorbereiten?
- Wie könnte sie ihn wirklich überraschen?
Während ihrer Überlegungen fingen ihre Augen irgendwann richtig an zu leuchten. Sie schaute mich an, lächelte vergnügt und sagte:
„Ich habe eine Idee!“
Dann erzählte sie mir von einem ihrer eigenen Geburtstage. Ihr Papa hatte damals etwas für sie vorbereitet.
Nichts Großes.
Nichts Teures.
Eigentlich nichts Besonderes – zumindest nicht, wenn man es von außen betrachtet. Aber für sie war dieser kleine Moment der Aufmerksamkeit etwas ganz Besonderes gewesen. Was genau sie nun vorhat, kann ich euch an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Ihr Papa liest schließlich auch meine Beiträge und wir wollen ihm ja nicht die ganze Überraschung verderben. 😉
Aber genau dieser Moment hat mich unglaublich berührt. Sie erinnerte sich nicht an den materiellen Wert eines Geschenks.
Sie erinnerte sich daran, wie Papa ihr damals das Gefühl von Freude gegeben hatte. Und genau dieses Gefühl möchte sie ihm jetzt zurückgeben. Ich war in diesem Moment den Tränen nah. Nicht, weil sie ein besonders ausgefallenes Geschenk geplant hat. Sondern weil ich gesehen habe, wie viel Mitgefühl und Mitfreude in diesem jungen Menschen steckt.
15 Lebensjahre – 15 besondere Erinnerungen
Das nächste Geburtstagskind war ihre beste Freundin, die 15 Jahre alt geworden ist. Auch hier wollte unsere Tochter nicht einfach irgendetwas kaufen. Sie organisierte einen Blumenstrauß und hatte zusätzlich eine, wie ich finde, wunderschöne Idee:
15 Lebensjahre – 15 besondere Erinnerungen und Besonderheiten.
Dafür setzte sie sich mit den Freundinnen und der Familie ihrer besten Freundin in Verbindung.
Der Bruder, die Mama, der Papa und weitere wichtige Menschen sollten Briefe schreiben und Erinnerungen aus den verschiedenen Lebensjahren zusammentragen:
- Was war in diesem Alter besonders?
- Welche Erinnerung ist geblieben?
- Was macht diesen Menschen aus?
Ihr war wichtig, dass dieses Geschenk so positiv wie möglich wird und ihrer Freundin vor allem eines vermittelt:
Du bist besonders. Du bist wichtig. Du wirst geliebt.
Als sie von ihrer Idee erzählte, dachte ich:
Wie wundervoll kann ein kleiner Mensch eigentlich sein?
Dieses Geschenk war durchdacht, persönlich und genau auf den Menschen abgestimmt, der es bekommen sollte. Und ich war unglaublich stolz und dankbar für unsere kleine Maus.
Kinder lernen Werte nicht durch unsere Worte
Während ich sie dabei beobachtete, wurde mir plötzlich etwas bewusst. So geht sie eigentlich bei fast jedem Geschenk vor.
- Wer hat Geburtstag?
- Ja ist denn schon wieder Weihnachten?
- Was verbindet mich mit dieser Person?
- Was mag dieser Mensch?
- Und womit könnte ich ihm wirklich eine Freude machen?
Und irgendwann dachte ich:
So, wie wir es unseren Kindern vorleben, leben sie es irgendwann selbst.
Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Dinge, über die wir uns überhaupt keine Gedanken machen. Ich selbst liebe es, Menschen zu beschenken. Für mich ist ein Geschenk etwas Persönliches und Individuelles. Manchmal mache ich mir bereits Monate vorher Gedanken darüber. Und ich liebe diesen Moment, wenn ich das Geschenk überreiche.
✨Dieses gespannte Warten.
✨Das Öffnen.
✨Die Reaktion.
✨Die Emotionen des anderen.
Diese Momente erfüllen mich mit tiefster Mitfreude, Dankbarkeit und Liebe. Ich habe mir allerdings nie Gedanken darüber gemacht, wie unsere Tochter mich dabei wahrnimmt.
Ich habe ihr nie gesagt:
„Schau mal, so musst du Menschen beschenken.“
Ich habe es einfach getan. Und heute beobachte ich genau diese Freude bei ihr.
Das wertvollste Geschenk können wir nicht kaufen
Eigentlich können wir dieses Verhalten schon bei ganz kleinen Kindern beobachten. Wir vergessen nur, es auch weiterhin zu fördern. Wer einmal von einem kleinen Kind ein selbstgemaltes Bild bekommen hat, kennt wahrscheinlich diesen Blick voller Vorfreude. Ich erinnere mich noch an das erste gemalte Bild meiner Patentochter. Für sie bedeutete es die Welt, mir dieses Bild zu schenken.
War es perfekt gemalt? Natürlich nicht.
Aber das spielte überhaupt keine Rolle.
Es kam von Herzen und war echt.
Und vielleicht ist genau das der ganze Zauber. Ein Geschenk muss nicht teuer sein. Manchmal ist das Wertvollste daran die Zeit, die ein Mensch investiert hat, um uns eine Freude zu machen.
Denn Zeit ist etwas Besonderes.
Ein Auto können wir ersetzen. Unsere Lieblingsjeans können wir neu kaufen. Selbst die geliebte Tasse lässt sich vielleicht irgendwo wiederfinden.
Aber Zeit können wir nicht nachkaufen.
Die Zeit, die ein Mensch in uns investiert, bekommt er niemals zurück. Wenn jemand stundenlang an einem Geschenk bastelt, Erinnerungen zusammensucht, Menschen kontaktiert oder sich einfach Gedanken darüber macht, womit er uns zum Lächeln bringen könnte, schenkt er uns viel mehr als einen Gegenstand.
Er schenkt uns einen Teil seiner Zeit. Und damit etwas, das unbezahlbar ist.
Kinder übernehmen nicht nur unsere schlechten Muster
Wir sprechen sehr viel darüber, welche negativen Muster Eltern an ihre Kinder weitergeben.
- Über Glaubenssätze
- Kontrolle
- Grenzüberschreitungen
- Verletzungen aus der eigenen Kindheit
Und ja, es ist unglaublich wichtig, dort hinzuschauen. Aber dabei vergessen wir manchmal etwas:
Unsere Kinder übernehmen auch das Schöne von uns.
✨Unsere wundervollen Marotten.
✨Unsere Herzlichkeit.
✨Unsere Art zu lieben.
✨Unsere Mitfreude.
✨Unseren Umgang mit anderen Menschen.
✨Und vor allem unsere Werte.
Kinder beobachten uns. Nicht nur dann, wenn wir ihnen gerade bewusst etwas beibringen möchten. Sondern mitten im Alltag.
✨Sie sehen, wie wir mit unserem Partner sprechen.
✨Wie wir über andere Menschen reden.
✨Wie wir mit Enttäuschungen umgehen.
✨Wie wir uns entschuldigen.
✨Wie wir Freude zeigen.
✨Wie wir andere Menschen behandeln.
Und irgendwann entdecken wir vielleicht etwas davon in ihnen wieder.
Unsere Kinder sind unsere besten Spiegel
Deshalb lohnt es sich, darauf zu achten, was wir unseren Kindern vorleben. Nicht mit dem Anspruch, immer perfekt sein zu müssen. Das sind wir nicht und das müssen wir auch nicht sein.
Sondern mit Bewusstsein. Denn unsere Kinder können wunderbare Spiegel sein.
✨Wenn du von deinem Kind Liebe erwartest, dann zeige ihm, wie sich Liebe anfühlt.
✨Wenn du Mitfreude erwartest, dann lebe ihm Mitfreude vor.
✨Wenn du möchtest, dass dein Kind wertschätzend/ respektvoll mit anderen Menschen umgeht, dann zeige ihm Wertschätzung/ Respekt.
Und wenn du möchtest, dass dein Kind eine eigene Persönlichkeit entwickelt, dann gib ihm auch den Raum, diese Persönlichkeit zu leben.
✨Auch dann, wenn sie dir manchmal Kontra gibt.
✨Auch dann, wenn ihre Meinung nicht deiner entspricht.
✨Auch dann, wenn sie Entscheidungen treffen, die du anders getroffen hättest.
Denn:
Wir können keine Persönlichkeiten erziehen und gleichzeitig Gehorsam erwarten.
Vielleicht sollten wir weniger von unseren Kindern erwarten
Ich benutze hier ganz bewusst das Wort „erwarten“.
Denn wir erwarten unglaublich viel von unseren Kindern.
- Sie sollen freundlich sein
- Dankbar
- Hilfsbereit
- Empathisch
- Wertschätzend/ Respektvoll
- Selbstständig
- Selbstbewusst
- Sie sollen ihre Meinung vertreten – aber bitte nicht zu laut und vor allem nicht den Eltern gegenüber.
- Sie sollen selbstständig denken – solange ihre Entscheidung ungefähr unserer entspricht.
Und vielleicht dürfen wir an dieser Stelle einmal die Perspektive wechseln. Kinder sind nicht dafür da, unsere Erwartungen zu erfüllen. Wenn wir bestimmte Werte von ihnen erwarten, dürfen wir uns zuerst fragen:
Was tue ich selbst dafür um diesen Werten gerecht zu werden?
- Wie spreche ich mit anderen Menschen?
- Wie behandle ich mein Kind?
- Wie gehe ich mit seinen Grenzen um?
- Kann ich mich mit anderen Menschen freuen, ohne mich mit ihnen zu vergleichen?
- Kann ich Liebe zeigen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten?
- Bin ich der Mensch, den ich mir gerade von meinem Kind wünsche?
Das sind vielleicht die viel wichtigeren Fragen.
Erwarte weniger und lebe mehr vor
Unsere Tochter hat mir mit ihren Geburtstagsgeschenken wieder einmal etwas gezeigt, ohne es überhaupt zu wissen. Wir müssen unseren Kindern nicht ständig erklären, was Liebe, Empathie und Mitfreude bedeuten. Wir dürfen es ihnen zeigen.
Echt und natürlich.
Denn Kinder merken sehr schnell, wenn wir ihnen etwas vorspielen. Und vielleicht ist genau das unsere Aufgabe:
Nicht perfekte Kinder zu erziehen. Nicht Kinder zu formen, die unseren Vorstellungen entsprechen.
Sondern ihnen Werte vorzuleben und gleichzeitig genügend Raum zu geben, daraus ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Also erwarte vielleicht ein bisschen weniger von deinem Kind. Und zeige ihm dafür ein bisschen mehr:
✨Liebe
✨Mitfreude
✨Wertschätzung/ Respekt
✨Was es bedeutet, echt zu sein.
Und dann lass dich überraschen, was dein Kind daraus macht. Manchmal findest du Jahre später etwas von dir selbst in diesem kleinen Menschen wieder. Und manchmal ist es sogar eine deiner schönsten Seiten.
Namaste ♥ Seelenliebe4YOU
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